meine notizen zu scharia – der missverstandene gott

bei dem vortrag von mouhanad khorchide am abend des 26.11.2015 habe ich mir folgende notizen gemacht:

der islam – generell religion – steht immer auf mehreren säulen. zwei sehr wichtige säulen seien die soziologische und die theologische, die am heutigen abend näher betrachtet werden, so khorchide.

die sozioligische säule:

es gab in deutschland eine entwicklung, die folgendermaßen aussah: ausländer –> menschen mit migrationshintergrund –> muslime. eine solche pauschalisierung sei irreführend und störend, denn nicht alle einreisenden/eingereisten seien muslime. viele menschen mit migrationshintergrund stören pauschalisierungen dieser art.

khorchide merkt an, dass radikalisierung ein multifaktorielles geschehen sei, wobei das vorliegen gewisser faktoren radikalisierung begünstigt, wie z. b. solche pauschalisierungen.

die theologische säule:

der islam ist nicht als NEUE religion hinzugekommen. mohammed selbst betont, dass er in der tradition sei. ein moslem sei demnach jeder, der sein leben zu gott hin ausrichte. scharia bedeute das ergebnis der gelehrten, den koran auszulegen. scharia bedeutet übersetzt „der weg zur quelle“, also zu gott.

khorchide weist darauf hin, dass die 2. sure ab vers 30 einen dialog zwischen den engeln und gott beschreibt. dort ist von der erschaffung der menschen durch gott die rede, die gott als „khalif“ – übersetzt statthalter – auf die erde setzt. die engel sind damit nicht einverstanden und erheben einspruch, dass gott nicht SIE zum statthalter erklärt hat, sondern khalifen/statthalter/menschen. die engel geben als widerspruchsargument die fortdauernde anbetung gottes an. so nach dem motto: „wir beten dich seit je her an und dann setzt du nicht UNS, sondern menschen auf die erde.“ kurzum: sie sind neidisch. dieser dialog endet damit, dass gott den engeln mitteilt, dass es ihm nicht um seine anbetung geht, weil er darauf nicht angewiesen ist. es geht bei der anbetung um den menschen selbst auf ihrem weg zur quelle. dies wird noch einmal unterstrichen in sure 51 vers 56: ich habe menschen erschaffen, um ihnen zu dienen. nicht umgekehrt. ich habe menschen erschaffen, die ich liebe und die mich lieben. allah ist der allbarmherzige, der vollkommen liebt und sich daher seine liebe nicht nach innen wendet, sondern nach außen. der mensch ist dazu angehalten, eigenverantwortlich und freiheitlich über sein handeln zu entscheiden und gutes zu tun als erfahrbare wirklichkeit gottes, als das ergebnis menschlicher religiosität. so versteht khorchide die 21. sure.

der mensch sei stets dazu angehalten, sein eigenes (!) herz zu läutern, nicht das von anderen. terroristen reflektieren nicht die barmherzigkeit gottes, die allerdings zu dem weg zur quelle dazugehört. man könne aus einem buch mit 2236 versen nicht einfach ein gesetzesbuch machen, dessen gesetz 82 verse beinhaltet und der koran somit auf diese 82 verse reduziert wird. der weg des reflektierens sei aber der eigentliche weg zur quelle, zu gott.

khorchide weist darauf hin, dass die gesetze der scharia nicht wort für wort genommen werden können, sondern dass der historische kontext und die adressaten des textes eine erhebliche rolle spielen. terroristen beachten dies nicht und beleidigen den gesamtkontext des korans aufs äußerste.

gern wird die sure 4 vers 11 dazu verwendet, dem islam eine frauenfeindliche oder frauenverachtende komponenete zuzuschreiben, dabei sei sie alles andere als eine frauenfeindliche sure, wenn man den historischen kontext näher betrachtet: in der sure heißt es, dass mädchen nur 1/4 erben sollen. grund dafür waren die damaligen hierarchischen stammesgesellschaften. vorislamisch war es verpönt, dass mädchen ÜBERHAUPT etwas erben, denn man wollte so vermeiden, dass finanzielle mittel des einen stammes durch heirat in einen anderen stamm flossen. mohammed gefiel das so nicht und er wollte das ändern. somit führte er ein, dass auch mädchen etwas erben – zu damaliger zeit ein extrem progressiver, ein reformatorischer akt/schritt.

in der 21. sure vers 107 würde eindeutig darauf hingewiesen, dass allah – die wahrheit – vor vereinnahmungen schützen solle. es wird auf dem weg zur wahrheit zu einer demütigen haltung zu gott und mitmenschen aufgerufen und darauf hingewiesen, dass muslime IMMER suchende sind und dies bis zu ihrem tod bleiben. dies sei der schlüssel zur hermeneutik durch historische kontextualisierung.

demnach sei dschihad die anstrengung mit sich selbst, die auseinandersetzung, der kampf. rasali schreibt: wisse, der schlüssel zur erkenntnis ist selbsterkenntnis!

in der 22. sure verse 38-40 wird eindeutig davon gesprochen, dass synagogen, gebetsstätten, kirchen und moscheen geschützt werden sollen. dies bedeutet, dass der islam sich für die religionsfreiheit einsetzt.

das wort kuffar ist fälschlich übersetzt mit „ungläubige“, denn kuffar bedeutet „leugner“. ein leugner ist jemand, der die wahrheit kennt aber gegensätzlich handelt.

selbstverteidigung sei im islam erlaubt. es soll aber auch vergeben werden als akt der barmherzigkeit. demnach sei sünde die notwendigkeit für das bewusstsein der eigenen freiheit/vernunft/mündigkeit. fehler zu machen, sei von gott erlaubt, denn sie werden vergeben.

man kann sich also vorstellen, dass diktatorische regierungen kein interesse an der verbreitung eines reformierten islams haben, sondern dass das gegenteil der fall ist. ein diktator will keine mündigen, sondern gehorsame.

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