Zwischenruf

Es gibt keinen Zwang im Glauben wie es keinen Zwang im Gewissen gibt. Jedenfalls keinen, der von außen kommt. Das ist immer Position der Kirche gewesen, die niemals Zwangsmission und Zwangstaufen angeordnet, durchgeführt oder gutgeheißen hat. Niemals.

Der Missionsauftrag Jesu („Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“; Mt 28, 19-20) wird an Bedingungen geknüpft: Friedfertigkeit der Glaubensweitergabe, Freiwilligkeit der Glaubensannahme (vgl. die „Anweisungen für die Mission“; Mt 10, 5-15).

Jesus fordert eine Mission in Liebe und durch Überzeugung, die ihre Abbruchbedingung im freien Willen des zu Missionierenden findet. Die Annahme des christlichen Glaubens kann nur freiwillig vollzogen werden. Eine Zwangstaufe ist also wertlos, soweit und solange die innere Haltung zum Glauben fehlt. Daher hat die Kirche Zwangstaufen verboten und der Zwangsmission eine klare Absage erteilt. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist folgende: Nach der Konstantinischen Wende, als das Christentum Staatsreligion des sich auflösenden Römischen Reiches wurde, wandten Vertreter der Christenheit in ihrer politischen Funktion, in ihrerweltlichen Rolle Zwangsmittel an, um Heiden zu missionieren. Das dies unchristlich ist, haben bereits zeitgenössische Theologen und Kirchenvertreter festgestellt, ohne es verhindern zu können. Man tut also gut daran, hier genau zu unterscheiden: Was ist unreigenes christliches Glaubensgut, was ist der politischen Instrumentalisierung des Christentums geschuldet?

Deutlich wird die Differenz vor allem an zwei machtpolitischen Projekten: dem Sachsenkrieg Ende des 8. / Anfang des 9. Jahrhunderts und der Eroberung Amerikas im 16. Jahrhundert. In beiden Fällen waren es weltliche Herrscher, die Mission als Mittel der Machtpolitik einsetzten. Die Kritik an diesem Ansinnen kam aus Kirchenkreisen, von Predigern und Ordensleuten, die mit biblischen, theologischen und rechtlichen Argumenten opponierten.

Zehn Jahre nachdem Karl der Große gegen die Sachsen in den Krieg gezogen war, erließ er 782 in der Capitulatio de partibus Saxoniae Vorschriften zur Todesstrafe für alle, die sich nicht taufen lassen wollten. Der theologischen Rechtmäßigkeit der Alternative „Taufe oder Tod“ hat sein Hoftheologe Alkuin entschieden widersprochen. Alkuin – angelsächsischer Gelehrter, ab 796 Abt des Klosters Saint-Martin de Tours und enger Vertrauter des Frankenkönigs – mahnte in einem Brief Zurückhaltung an: Gemäß den Lehren der Heiligen Schrift und der Kirchenväter solle man das Wort Gottes mit Predigten und nicht mit dem Schwert verbreiten.

Als die Spanier ab 1510 Amerika eroberten und die Indios von den Conquistadores im Rahmen einer gewaltsamen Kolonialisation nebenbei „christianisiert“ werden sollten, stieß dies bei den Missionaren auf massiven Widerspruch, für den vor allem der Dominikaner Bartolomé de Las Casas steht. Der politisch und ökonomisch motivierten Unterdrückung setzt Las Casas die Befreiung „seiner“ Idios durch eine evangeliumszentrierte Mission mit friedlichen Mitteln und ein christliches Leben als positives Beispiel entgegen. Jesus wolle, so Las Casas, dass sein Evangelium „zärtlich, geschmeidig und mit aller Sanftmut“ verkündet werde.

Las Casas erinnerte daran, dass Jesus seinen Jüngern auftrug, ohne materielle Ansprüche („Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“, Mt 10, 8), in völliger Bedürfnislosigkeit („Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab“, Mt 10, 9-10), auf das Wohlwollen der Menschen hoffend („wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt“, Mt 10, 10), friedlich („Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.“, Mt 10, 12) und in Toleranz gegenüber Andersgläubigen („Wenn man euch aber in einem Haus oder einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg“, Mt 10, 14) zu missionieren. Zudem beruft sich Las Casas auf den Apostel Paulus, der in seinen Episteln an verschiedenen Stellen Maximen einer friedlichen Mission formuliert, etwa im Ersten Brief an die Korinther: „Tut alles zur Verherrlichung Gottes.“ (1 Kor 10, 31) oder im Brief an die Kolosser: „Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn.“ (Kol 3, 17).

Insofern wäre es in höchstem Maße unchristlich, wenn „christliche“ Milizen wirklich tun, was ihnen laut einem Bericht des Nachrichtensenders n-tv von Amnesty International vorgeworfen wird: Muslime mit Gewalt zur Annahme des christlichen Glaubens zu zwingen.

(Josef Bordat)

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Es gibt keinen Zwang im Glauben wie es keinen Zwang im Gewissen gibt. Jedenfalls keinen, der von außen kommt. Das ist immer Position der Kirche gewesen, die niemals Zwangsmission und Zwangstaufen angeordnet, durchgeführt oder gutgeheißen hat. Niemals.

Der Missionsauftrag Jesu („Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“; Mt 28, 19-20) wird an Bedingungen geknüpft: Friedfertigkeit der Glaubensweitergabe, Freiwilligkeit der Glaubensannahme (vgl. die „Anweisungen für die Mission“; Mt 10, 5-15).

Jesus fordert eine Mission in Liebe und durch Überzeugung, die ihre Abbruchbedingung im freien Willen des zu Missionierenden findet. Die Annahme des christlichen Glaubens kann nur freiwillig vollzogen werden. Eine Zwangstaufe ist also wertlos, soweit und solange die innere Haltung zum Glauben fehlt. Daher hat die Kirche Zwangstaufen verboten und der…

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