„Euthanasie“

In diesen Tagen gedenken viele Menschen der „Euthanasie“-Morde der Nationalsozialisten, die vor 75 Jahren begannen und denen etwa 300.000 kranke oder behinderte Menschen zum Opfer fielen. Die „Aktion T4“mahnt uns seit dem Ende des Nationalsozialismus, niemals mehr das Leben kranker oder behinderter Menschen als „unwertes“ Leben zur Disposition zu stellen.

Heute Abend wurde die „Aktion T4“-Wanderausstellung von Michael Gollnow und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auf die ich auch schon öfters hingewiesen hatte, im Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße (Berlin-Charlottenburg) eröffnet. Sie ist dort noch bis zum 20. Februar 2015 zu sehen.

Wie aktuell das Thema ist, zeigt sich immer dann, wenn Menschen den Tod als Alternative zum Leiden in Krankheit und Behinderung anpreisen, als schnellen und wohl auch kostengünstigen „Ausweg“. Das Ende des Leidenden, nicht das Ende des Leids (durch Trost und Beistand) stehen dabei im Vordergrund – und wenn es um ein Ende des Leids geht, dann geht es um das Leid derer, die mitleiden und denen man dieses Mitleiden ersparen will. Mitleid wird so zu einem vergessen Konzept.

Die Argumentation heutiger Euthanasie-Befürworter deckt sich in frappierender Weise mit der Denkweise der Verantwortlichen jener „Aktion T4“: Allen Beteiligten Leid zu ersparen, den Betroffenen, den Angehörigen und – allein das wird heute bisher nur hinter vorgehaltener Hand gesagt – auch der „Solidargemeinschaft“. Auch die Nazis argumentierten nicht allein mit den Kosten für „unnütze Esser“, sondern auch mit dem vermeintlichen Recht des Leidenden auf ein Ende des Leids. Die Botschaft des NS-Propagandafilms Ich klage an (1941) passt erschreckend gut zur aktuellen Debatte über Sterbehilfe und Euthanasie.

Auch die Opfer der ersten Phase sind dieselben: Kinder. Die Königlich Niederländische Medizinische Gesellschaft(KNMG) rechtfertigt heute die Tötung „Neugeborener mit ernsthaften Missbildungen“. Auch den Nazis ging es zunächst um ihre Beseitigung: Noch vor dem Beginn der Tötung „lebensunwerten Lebens“ auf der Basis eines auf den 1. September 1939 zurückdatierten „Ermächtigungsschreibens“ Hitlers erließ Reichsinnenminister Frick am 18. August 1939 eine Meldepflicht für „missgebildete“ Neugeborene.

Also: „Kann man doch nicht vergleichen!“ – Doch, kann man. Sollte man vielleicht sogar.

(Josef Bordat)

Jobo72's Weblog

In diesen Tagen gedenken viele Menschen der „Euthanasie“-Morde der Nationalsozialisten, die vor 75 Jahren begannen und denen etwa 300.000 kranke oder behinderte Menschen zum Opfer fielen. Die „Aktion T4“ mahnt uns seit dem Ende des Nationalsozialismus, niemals mehr das Leben kranker oder behinderter Menschen als „unwertes“ Leben zur Disposition zu stellen.

Heute Abend wurde die „Aktion T4“-Wanderausstellung von Michael Gollnow und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auf die ich auch schon öfters hingewiesen hatte, im Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße (Berlin-Charlottenburg) eröffnet. Sie ist dort noch bis zum 20. Februar 2015 zu sehen.

Wie aktuell das Thema ist, zeigt sich immer dann, wenn Menschen den Tod als Alternative zum Leiden in Krankheit und Behinderung anpreisen, als schnellen und wohl auch kostengünstigen „Ausweg“. Das Ende des Leidenden, nicht das Ende des Leids (durch Trost und Beistand) stehen dabei im Vordergrund – und wenn es um ein Ende des Leids geht…

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