Weihnachten und die wirklichen Geschenke des Lebens | ♥

Von Heinz Eggert

 

 

Eigentlich sind die Vorweihnachtszeit und die Weihnachtszeit eine schöne Zeit.

Eigentlich!

 

Ich höre es oft, die Weihnachtstage sind  für viele die schönsten Tage im ganzen Jahr.

Ganz gleich ob sie  Christen sind oder nicht.

Für die Kinder natürlich ganz besonders.

Die weihnachtliche Symbolik trägt dazu bei.

 Das Fest der Lichter in der dunkelsten Jahreszeit.

Es ist einfach anrührend im Dunklen jetzt durch die schneebedeckte Landschaft der Dörfer zu fahren und sich vom Licht der Schwibbögen in  den kleinen  Fenstern, den aufgehängten Herrnhuter Sternen und den geschmückten Tannenbäumchen  in den Gärten berühren zu lassen.

Oder abends in den Städten durch die weihnachtlich geschmückten Straßen zu gehen.

 

Die Sehnsucht nach einem liebevollen und friedlichen  Umgang miteinander, kommt bei allen Streitigkeiten des Alltags  ganz von alleine auf.

Denn „Stille  Nacht“ hatte auch etwas mit Ruhe und Geborgenheit zu tun.

Aber so still ist es ja wiederum nicht.

 

Denn Monate vor Weihnachten gehen schon unweihnachtliche Wellen durchs  Land.

Es sind die Vorahnungen von  Stress und Hektik, Kitsch und Sentimentalität, komprimiert zusammengefasst in dem Wort „Weihnachtsrummel.“

Irgendwie schaffen wir es auch nie, uns dem ganz zu entziehen.

Auch ich nicht!

Allerdings wartet man  heute  bis zur Öffnung der Weihnachtsmärkte noch nicht einmal den Totensonntag mehr ab.

Ethische Grundsätze werden durchbrochen, die über Jahrhunderte hinweg in der Achtung und der Würde vor dem menschlichen Leben und dem Tod bestanden.

 

Überall  wird uns suggeriert- weil wir ja nicht blöd sind, wie es in der Werbung heißt-  man wolle  unser Bestes.

Unser Bestes ! Klar- unser Geld.

Wenn es Jesus nicht schon gebe, der Handel  würde  ihn erfinden müssen.

 

Und als würde das Fernsehen diese These verstärken wollen, gestalten  sie genauso auch das Fernsehprogramm.

Alle Jahre wieder!

Obwohl selbst ich, inzwischen meine Weihnachtsmärchenfilme habe, die ich im Fernsehen nicht verpassen möchte. 

 Die eigene Kindheit schwingt in diesen Tagen immer wieder mit und die Erinnerungen verstärken sich.

Weil es keine Zeit des Jahres gibt, wo wir so sehr dem Ansturm unserer eigenen Gefühlen  ausgeliefert sind,  wie zu Weihnachten.

 Besonders die Älteren unter uns.

 

An  der wunderschönen kleinen Oybiner Bergkirche war ich 16 Jahre lang Pfarrer.

Jedes Jahr Heiligabend gab es ein kleines Weihnachtswunder.

Nur 340 Kirchenmitglieder im Ort. Aber zur Christnacht kamen fast 700 Besucher.

Die Kerzen brannten, die alten Weihnachtslieder wurden gesungen, die Stasispitzel schrieben die Predigt mit.

Das Krippenspiel der Kinder brachte die Augen der Alten zum leuchten.

 Natürlich kannte ich sie alle, die alten Frauen, die sich mit ihren einfachen Mänteln und Kopftüchern in die Nähe des Weihnachtsbaumes setzten und auswendig die alten Weihnachtslieder sangen.

Ich wusste auch, dass sie alle kein einfaches Leben gehabt hatten.

Viele von ihnen lebten jetzt allein. Ihre Männer und ihre Söhne hatten sie im Krieg verloren.

 

Aber Heiligabend waren trotzdem  sie nicht allein.

Trotz aller Streitigkeiten des Jahres – natürlich wurden sie von ihren Nachbarn oder Freunden eingeladen.

Wer kann Heiligabend schon fröhlich feiern, wenn er weiß, dass der Nachbar alleine und traurig in seinem Zimmer sitzt.

 

Zum Wohlstand gehört auch Anstand.

Außerdem weiß keiner von uns, wann er einmal auf Andere angewiesen sein wird.

Weihnachten ist ein Fest, das Einsamkeit nicht zulässt.

 

Selbst wenn es ernüchternd  klingt:

Als Martin Luther  1535 das gegenseitige Beschenken in der Familie bewusst auf den Weihnachtstag legte, um von der  katholischen Heiligenverehrung des Nikolaus, der der bisherige Geschenktag war, abzulenken: geschah es aus religiös- ideologischen Gründen.

 Wobei Martin Luther sich nicht vorstellen konnte, dass irgend jemand die biblische Weihnachtsgeschichte nicht kannte.

 

Das hat sich natürlich im Lauf der Jahrhunderte verändert und zeigt, dass man Feste auch gut feiern kann, selbst wenn man ihren wirklichen Grund nicht mehr kennt.

Man feiert sich selbst und ahnt die Selbsttäuschung!

Wo falsche Götzen angebetet werden, da ist die Götterdämmerung nicht weit.

 

Aber nirgendwo in der ganzen Bibel aber wird eine Geschichte   so gefühlvoll, und so menschlich nachempfindbar   und verstehbar erzählt wie in dieser Weihnachtsgeschichte.

 

Ein Kind wird in dieser nicht sehr idyllischen und heilen Welt als Zeichen der Hoffnung geboren.

Die ahnungsvollen Engel singen und loben Gott

über dieser ärmlichen und überhaupt nicht romantischen Krippe.

 

30 Jahre später spielen ahnungslose Soldaten um die Habe Jesu ein Würfelspiel.

Sie sind nur noch am Besitz interessiert -am Materiellen – nicht am Menschen.

 

Manchmal scheint es mir, wir spielen das Spiel auch ein wenig mit.

 

Haben, haben ,haben! 

 

Und dann wird ganz schnell ein gefülltes Leben mit einem erfüllten Leben verwechselt.

Die Werbung um uns herum versucht es ja auch unentwegt zu vermitteln.

 

Mitte November erzählte mir ein junger Mann, 37 Jahre alt, dass er mit seiner Frau die Weihnachtsgeschenke für den  kleinen Sohn und die kleine Tochter besprochen hätte.

Das wäre nichts Außergewöhnliches.

 Über Geschenke zu Weihnachten machen sich Eltern oftmals schon sehr lange Gedanken.

Außergewöhnlich war, dass wir dieses Gespräch bei meinem Besuch im Hospiz führten.

Bösartige Kopftumore waren dabei dem jungen Mann, der früher ein begeisterter Sportler und Motorradfahrer war, langsam die Lebensadern abzudrücken.

Nach einer Pause, sagte er unter Tränen, sein größter Wunsch wäre noch einen Monat Lebenszeit zu haben.

Einmal noch   Weihnachten dabei sein zu dürfen.

 Das wäre das größte Weihnachtsgeschenk in seinem ganzen Leben.

Nicht nur für ihn, sondern auch für seine Familie und alle die Ihn liebten.

 

Nur noch einen Monat Lebenszeit!

 

Er  bekam das Geschenk nicht.

 Abmildernd in der Trauer für alle, war nur, dass der Tod als Freund kam.

 

Merken Sie etwas?

 

Alle Geschenke die unter dem Weihnachtsbaum gestapelt sind, sind nur freundliche Zugaben und Zuwendungen an uns .

 

Worauf unser Leben in der Tiefe wirklich  gegründet ist, was wir so notwendig brauchen wie das tägliche Brot und  die Luft zum Atmen:

 Liebe, Verstehen, Zuversicht, Trost und Hoffnung ist ohnehin mit keinem Geld der Welt zu kaufen oder zu bezahlen.

Auch wenn Einzelne es immer wieder vergeblich versuchen.

 

Es ist nun einmal so:

das Wesentlichste und Wünschenswerte für unser Leben können wir nicht kaufen.

 Nicht Liebe, nicht  Zuneigung, nicht Hoffnung, nicht einen einzigen Tag zum Leben dazu, wenn unsere Lebenszeit einmal abgelaufen ist.

Das sind die wirklichen Geschenke unseres Lebens.

 

Und wenn ich an den jungen Mann denke:

Manchmal sollten wir nicht nur dankbar sein, für das was wir haben, sondern auch für das, was uns und unseren Lieben  -Gott sei Dank -erspart geblieben ist.

 

Alle Gaben unterm Weihnachtsbaum sind freundliche  Zu-Gaben.

 

Sie merken schon:

 

Es gibt einen guten Grund Weihnachten zu feiern, wenn man sich auf den Grund   besinnt. 

 

Ich wünsche allen ein schönes, friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest!

 

Heinz Eggert

 

Bild

 

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