„Das Evangelium muss sprachfähig gemacht werden.“

„Das Evangelium muss sprachfähig gemacht werden.“ Diese Überzeugung vertrat Michael Herbst, Theologieprofessor und Prorektor der Universität Greifswald in einem Themenforum des Gnadauer Zukunftskongresses 2013 in Erfurt. Er forderte die Teilnehmer dazu auf, über den eigenen Tellerrand zu schauen und auf die Menschen zuzugehen.

„Jesus war den Menschen zugewandt“.

Michael Herbst fordert zum Blick über den Tellerrand auf.

Damit Menschen mit dem Wort Gottes erreicht werden können, muss das Evangelium in die Lebenswelten der Menschen – die verschiedenen Milieus – sprechen; davon ist Herbst überzeugt. Es gebe in Deutschland bestimmte Gruppen, in denen sich die Menschen heimisch fühlen. Diese Milieus dürften aber nicht mit „Klassen“ oder „Schichten“ gleichgesetzt werden. Denn die „Schichtzugehörigkeit“ sage noch nichts über den Lebensstil der jeweiligen Person aus, so Herbst. Ein Milieu zeichne sich durch bestimmte Werte, Freizeitverhalten, Weltbilder und eine bestimmte Mentalität aus. „Milieus sind Lebenswelten für sich, die sich scharf voneinander abgrenzen“, sagte Herbst.

Kontinuierliche Veränderung

Besonders bei der Evangelisation müsse man sich auf die verschiedenen Argumentationsmuster in den Milieus einstellen. „Mit einem Modernen müssen Sie ganz anders reden als mit einem Traditionellen“, erklärte Herbst. Der Experte legte eine Studie des Sinus-Instituts zugrunde, die die Lebenswelten von Menschen in Deutschland untersucht und die die Bevölkerung in verschiedene Gruppen einteilt. Herbst machte besonders auf Veränderungen in der „bürgerlichen Mitte“ aufmerksam. Bürgerlich zu leben heiße nicht mehr zwingend, konservative oder christliche Werte zu teilen. Es bildeten sich kontinuierlich neue Milieus heraus und die alten veränderten sich. „Unsere Gesellschaft driftet immer weiter auseinander“, ist Herbst überzeugt.

Diese Vielfalt sei eine große Herausforderung für die Verkündigung des Wortes Gottes. Nur ein Bruchteil der Milieus finde sich in den christlichen Gemeinden wieder. „Das kirchliche Leben wird von wenigen, meist älteren und vorwiegend weiblichen Personen geprägt“, sagte Herbst. Kirchengemeinden drohen deshalb zu Sondergruppen zu werden. Ein Grund dafür sei auch der Gottesdienst am Sonntagmorgen. „Menschen aus postmodernen Milieus sind zu dieser Zeit beim Brunchen“, sagte Herbst.

Jesus in die Milieus sprechen lassen

Das Milieumodell müsse deshalb wahrgenommen werden. „Sie brauchen Kontakt zu Menschen aus anderen Milieus, um zu verstehen, wie diese Menschen ticken“, forderte Herbst. Es müsse nach Werten, Vorerfahrungen im Glauben und dem Bildungshintergrund der potentiellen Gemeindebesucher gefragt werden. „Wir brauchen eine gesunde Neugier auf Menschen“, sagte Herbst. Mission bedeute deshalb eine „Inkarnation“ in das spezielle Milieu. Auch Jesus habe sich damals den Menschen individuell zugewandt und tue es auch heute noch. „Gott lässt sich nieder in der Welt der Menschen“, sagte Herbst. Bei ihm gehe es nicht um eine Stippvisite, sondern um eine ernsthafte Gemeinschaft mit den Menschen. Das Ziel muss laut Herbst deshalb sein, zu zeigen, wie ein von Jesus bestimmtes Leben in dem jeweiligen Milieu aussehen könne. 

Die Nachbarn lieben und kennen

Christen sollen die „Chance“ nutzen, dass in Deutschland immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund leben. Dafür hat sich Stefan Jäger, Dozent an der „Evangelistenschule Johanneum“ in Wuppertal, in einem Seminar über „interkulturelle Kompetenz in der Gemeindearbeit“ ausgesprochen. „Gott macht uns den Auftrag der Weltmission leichter. Die Welt ist vor unserer eigenen Haustür. Zum Teil kommen Migranten aus Ländern zu uns, die für das Evangelium verschlossen sind.“ Als Beispiel nannte er die zahlreichen Iraner, die in Berlin von einer Diakonisse getauft wurden. Das Christliche Medienmagazin pro hatte dazu in der Ausgabe 6/2012 berichtet. Die Bibel gebiete schon im Alten Testament, „Fremdlinge“, also Migranten, zu lieben. Es sei deshalb wichtig, dass Christen ihre Nachbarn kennen lernen, respektieren und sich mit ihnen auch über den Glauben unterhalten. Jäger problematisierte den Begriff des „Dialogs der Religionen“, da er zu abstrakt sei. Nur Menschen unterschiedlichen Glaubens könnten miteinander sprechen, nicht Religionen an sich. Christen sollten ihre Berührungsängste zu Menschen mit Migrationshintergrund abbauen und vertrauensvolle Beziehungen zu ihnen aufbauen.

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hier geht es zum Original-Artikel:

http://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=6231

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