Facebook – Beziehungskiller schlechthin!(?)

Es ist ein Morgen wie jeder andere: um acht Uhr klingelt dein Wecker, du stehst auf und gehst zur Kaffeemaschine. Im Vorbeigehen schaltest du dein Notebook schon wie automatisiert an. Die Welt ist in Ordnung! Die Kaffeemaschine läuft, du kehrst zurück zu deinem Notebook und loggst dich bei Facebook ein.

Doch irgendetwas sieht anders aus, irgendetwas hat sich in der Mitte deines Profils geändert. Wie ein Blitz durchjagt es deinen Körper, als du bemerkst was sich verändert hat. Wo noch am Vorabend „In einer Beziehung mit …“ stand, steht auf einmal nur „In einer Beziehung“, ohne „mit …“. Der, der am Vorabend dein(e) FreundIn war ist heute laut Facebook Single. Du bist Single!!!

So oder so ähnlich passiert es jeden Tag auf der ganzen Welt. Heutzutage wird eine Beziehung sogar per Facebook beendet. Laut einer Studie des amerikanischen Jugend-Magazins „Seventeen“ beenden 10 Prozent die Beziehung zu dem Partner, in dem sie ihren Status auf Facebook ändern. Dies bedeutet dann wohl im Umkehrschluss: Willst du wissen wie es in deiner Beziehung läuft, so solltest du regelmäßig bei Facebook vorbei schauen.[1] Doch was führt zu der Beendigung einer Beziehung? Ein weit verbreitetes Phänomen ist zum Beispiel Eifersucht, doch dazu später mehr.

Die rasant wachsenden Mitgliedszahlen von Facebook verdeutlichen den Einzug des Social Networks in den Alltag. Im August 2010 nutzten mehr als 10 Millionen Deutsche Facebook. [2]

Im Juli 2010 knackte Facebook „die „magische Grenze“ von 500 Millionen Nutzern weltweit. Bereits fünf Monate später, verzeichnet der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 550 Millionen aktive Mitglieder, was eindeutig die steigende Tendenz verdeutlicht. [3] Doch was macht Facebook so interessant und warum nutzen wir es überhaupt?

Sowohl unser Handeln als auch unsere Kommunikation sind abhängig von der Struktur der eigenen Persönlichkeit, die unter anderem auf Kindheitserfahrungen, kulturell bedingten Einflüssen, den eigenen Gedanken, den Gesprächen mit Freunden sowie auf der Genetik und physischen Realitäten der eigenen Identität basiert.

Facebook ist eines von vielen Resultaten unserer Zivilisation.

Und es steht symptomatisch für unser Menschenbild: Unseren Drang nach Allwissenheit, Leistung und gefühlter Macht durch Vitamin B und viele Freunde auf der ganzen Welt, die Darstellung des eigenen Erfolgs und die permanente Informationsgewissheit. All dies sind Ansprüche, die an den heutigen Menschen gestellt werden und die er sich selbst auferlegt. Durch dieses Verlangen konnte Facebook zu dem werden, was es heute ist.

Ein weiterer Erfolgsfaktor von Facebook ist der „Herdentrieb“. Wollen wir nicht häufig auch das, was andere haben oder tun? Auch wenn es im Unterbewusstsein stattfindet möchten wir doch alle „Up to date“ sein. Oder tut jeder tatsächlich nur das, was er selbst möchte? Können wir das überhaupt? Gänzlich unabhängig von der Meinung anderer sein? Wollen wir das?

Unseren heutigen Ansprüchen können wir mittels Facebook gerecht werden, es hilft uns, immer auf dem Laufenden zu sein und im Zentrum der Herde zu laufen – nur nicht abseits oder hintendran. Mithalten können: Das macht den modernen Menschen angeblich aus und gut. Und das ist es, was uns einen Druck auflädt, dem der Einzelne in der Gesellschaft oft nicht standhalten kann. Und auch Beziehungen gehen diesen Weg allzu oft!

Die Auswirkungen von Social Media Plattformen werden viel diskutiert und vor allem die Diskussionen über den Datenschutz stehen im Fokus der Betrachtungen. Doch was ist mit anderen Themen?

Was ist zum Beispiel mit der Auswirkung von Social Media Plattformen – wie Facebook – auf (reale) Beziehungen?

Wir könnten jetzt argumentieren, dass einer gesunden Liebesbeziehung keinerlei Gefahr durch Facebook droht und dass man sich auch nicht von Fotos, Pinnwandeinträgen oder „Likes“ des Partners aus der Ruhe bringen lassen muss. Doch stimmt dies wirklich? Waren wir nicht alle schon einmal ein bisschen eifersüchtig oder kennen Szenarien der Eifersucht aufgrund von Facebook-Stalking aus Erzählungen von Freunden? Kennen wir nicht alle Situationen, in denen wir überreagieren und im Nachhinein wünschten wir hätten anders reagiert bzw. gehandelt?

Nicht jede noch so gut funktionierende Beziehung kann sich vor Facebook und dessen Gepflogenheiten schützen, wenn man das heimtückische Moment der Eifersucht und die daraus resultierenden Handlungen bedenkt. Eifersucht ist eine emotionale Reaktion und diese etwas Menschliches, das auch vor der virtuellen (Liebes-)Welt nicht halt macht.

Spielen wir einmal verschiedene Szenarien durch:

N° 1: Heutzutage lernen sich viele Menschen durch Facebook oder andere Social Media Plattformen kennen. Laut der Studie des Magazin „Seventeen“ würden 57 Prozent der Mädchen und 67 Prozent der Jungen einem Date zustimmen, auch wenn sie diese Person nur durch ein Social Network kennen. [4] Zuerst schreibt man sich, telefoniert und trifft sich irgendwann. Und vielleicht entsteht daraus sogar eine Liebesbeziehung. Eine Frage die damit einhergeht lautet, ob man demjenigen Vertrauen schenken kann, oder ob man mit Intrigen und Lügen rechnen muss, da jeder seine eigene Person mit einfachen Mitteln des World Wide Web ins rechte Licht rücken kann.

Ist derjenige wirklich der, der er vorgibt zu sein?

Gehen wir von der Annahme aus, dass sich zwei Personen tatsächlich ineinander verliebt haben, sich vielleicht am Wochenende sehen und in der Woche über Facebook in Kontakt stehen. Man schaut sich das Profil des Partners an, sieht Fotos der Liebsten oder des Liebsten mit andersgeschlechtlichen Personen, womöglich noch mit zweideutigen Pinnwandeinträgen oder „Likes“ zu bestimmten Äußerungen. Ein sehr eifersüchtiger Mensch stellt sich wahrscheinlich spätestens jetzt die Frage, ob es möglich ist, dass die eigene Partnerin oder der Partner mit anderen chattet und sich womöglich genauso über das Internet neu verliebt, wie damals die eigene Liebesbeziehung zu dem Partner begann?! Wie es weitergeht kann sich jeder ausmalen: Ist die Person besonders emotional und sehr eifersüchtig, ist es mit allen guten Vorsätzen um einen geschehen, man spricht den Partner darauf an und provoziert somit womöglich einen Streit. Je nachdem wie die eigene Persönlichkeit konstituiert ist.

N° 2: Zwei Menschen, die sich zum Beispiel durch Freunde kennen gelernt haben und eventuell schon ein paar Jahre zusammen sind haben seit Neustem beide Facebook für sich entdeckt.

Schaut man das Profil des Partners an, entdeckt man auf einmal ganz andere Seiten an ihm oder ihr. Plötzlich tauchen da Fotos auf, die man in den vielen Jahren der Beziehung noch nicht ein Mal zu Gesicht bekommen hat. Es tauchen Männer oder Frauen auf, die liebevolle Pinnwandeinträge hinterlassen und man selbst fragt sich: Hat meine Freundin oder mein Freund die oder den schon mal erwähnt?! Wahrscheinlich nicht! Dann stellt man sich schon mal die Frage, ob der eigene Partner einem etwas verheimlicht, oder ob man sie oder ihn überhaupt richtig kennt?! Vielleicht kommt es nicht gleich zu einem Streit – schließlich ist man ja schon lange ohne Facebook zusammen gewesen – aber ins Grübeln kommt man wahrscheinlich schon.

N° 3: Man ist in einer Beziehung und addet jemanden, den man aus dem „normalen“ Leben auf der Straße kennt. Facebook bietet die Möglichkeit genau diese Bekanntschaft zu vertiefen. Schließlich addet man sich schneller bei Facebook, als jemanden nach der Handynummer zu fragen und eine SMS zu schreiben, oder etwa nicht? Schnell ist man in der Situation miteinander zu chatten und ehe man sich versieht chattet man jeden Tag und der eigene Partner ist vielleicht weniger interessant.

Facebook zieht in den Alltag ein, das erste und letzte was man am Tag sieht ist sein Facebook-Profil. Im schlimmsten Fall sitzt man sogar neben dem Partner und jeder hat sein Facebook-Profil auf dem Bildschirm. Kommunikation? Fehlanzeige! Dann mal viel Spaß beim „anstupsen“. 

Zugegeben, die Szenerien sind zugespitzt dargestellt, aber alle Situationen haben etwas gemeinsam: ohne Facebook hätte man bestimmte Informationen, Kontakte und Fotos nicht zu Gesicht bekommen! Facebook bietet die Möglichkeit, den Partner ganz bequem von der Couch aus mit einem Glas Wein in der Hand zu stalken. Früher oder später findet ein „Stalkingwilliger“ potenziell zweideutige Einträge und überfreundliche Kommentare, die genügend Spielraum für eigene Interpretationen lassen. Natürlich liegt es an jedem selbst ob man den Partner ruhig daraufhin anspricht, ihm oder ihr eine Eifersuchtsszene macht oder die Tatsachen einfach zur Kenntnis nimmt und es dabei belässt.

Oder etwa doch nicht? Tendiert man zur Eifersucht, kann dies möglicherweise die Wurzel für einen handfesten Streit darstellen oder man kapselt sich ab und lernt einfach jemanden kennen, verliebt sich neu.

An den Haaren herbeigezogen? Nein, denn folgende Beispiele zeigen, dass Eifersucht, Facebook und Stalking sowie Trennung dichter beieinander liegen als bisher angenommen.

Vor circa einem Jahr wurde in der amerikanischen Zeitschrift „Cyper-Psychology & Behavior Journal“ eine Studie veröffentlicht, die sich mit dem Thema Eifersucht in Verbindung mit Facebook beschäftigt. Laut den Ergebnissen dieser Studie steigerte sich bei 20 Prozent der 300 Probanden die Eifersucht in Beziehungen, je länger sie Facebook nutzten und je länger sie dort nach den Aktivitäten des Partners suchten. Das Hinzufügen von virtuellen Freundinnen und das Kommentieren der Einträge von Ex-Freundinnen rief laut der Studie unbewusste Ängste hervor. Viele Aktivitäten sind in der Realität in der Vergangenheit geschehen, doch Facebook vergisst nichts! [5]

Mann ermordet seine Frau “wegen Facebook”

Eine extreme Tat, die sich vor etwa einem Jahr abspielte, zeigt, dass die Eifersucht eines Mannes aus Wales so weit ging seine Frau zu ermorden, nachdem er zur Kenntnis nahm, dass sie ihren Beziehungsstatus bei Facebook von „verheiratet“ auf „Single“ änderte. An diesem Beispiel, auch wenn es sehr extrem ist, ist die Gefahr deutlich zu erkennen. Statt wie früher miteinander zu sprechen und die aktuelle Lebenssituationen persönlich auszutauschen, schauen viele lieber heimlich nach, was der (Ex-)Partner momentan macht.

Eine britische Anwaltskanzlei soll kürzlich berichtet haben, dass 20 Prozent der Scheidungsanträge mit der Nutzung von Facebook zu verbinden sind.[6]

Laut eines weiteren Berichts behauptet ein Pfarrer aus den USA: „Facebook stiftet zum Ehebruch an“. Laut seiner Aussage trennten sich 20 Paare in seiner Gemeinde, nachdem sie durch Facebook Kontakt zu ehemaligen Partnern aufnehmen konnten. Daraufhin empfahl er den Gemeindemitgliedern den Account zu löschen. Er ging mit gutem Beispiel voran und löschte sein eigenes Facebook-Profil, das er nach eigenen Angaben dazu nutzte, um mit seinen Kindern in Kontakt zu bleiben.

Aus einer Mücke wird ein Elefant gemacht, zu dem es im realen Leben wohl nie gekommen wäre. Selbst die Mücke würde wahrscheinlich im realen Leben nicht mal entstehen! Und ehe man sich versieht steht eines morgens bei dem, der am Vorabend noch der Partner war „Single“. Keine Frage: Facebook ist für viele Lebensbereiche sehr nützlich, doch die Risiken für eine Beziehung sind nicht von der Hand zu weisen. Auf Facebook werden scheinbare „Fakten“ öffentlich dargestellt und ersetzen Feinheiten, Zwischentöne, Humor, Gestik und Mimik – diese Elemente persönlicher Kommunikation fehlen und lassen den Leser mit den eigenen Interpretationen, Ängsten oder eben Überreaktionen alleine. Missverständnisse zwischen Partnern sind so vorprogrammiert.

Mein Vorschlag: den Partner nicht in die Facebook-Freundesliste aufnehmen und auf den persönlichen Kontakt vertrauen. Schließlich sollte man seine Beziehung nicht auf Facebook, sondern von Angesicht zu Angesicht führen. Und wenn man den Partner in der Liste haben möchte, sollte man offen und ehrlich darüber reden, was man preisgibt und sich online nicht anders verhalten als im realen Leben. Denn die angebotene Leichtigkeit des Online-Flirtens ist ein Risiko, dessen man sich allzu oft nicht bewusst ist. Online kann man eher aus sich heraus kommen, leichter lügen, übertreiben. Die scheinbare Sicherheit des Virtuellen lockt Nutzer aus ihrer Reserve. Man sagt sich: Was soll schon passieren, das ist doch alles gar nicht ECHT! Das ist allerdings falsch und kann schwerwiegende Folgen haben.

Single, in einer Beziehung, verlobt, verheiratet, es ist kompliziert, in einer offenen Beziehung, verwitwet, getrennt oder geschieden?!

Und was hast DU auf deinem Facebook Profil angegeben?

Zugegeben, man kann natürlich keine Verallgemeinerung durchführen, aber zumindest Tendenzen aufdecken.

Findet ihr es vorteilhaft, Informationen zu erhalten, die ihr eigentlich gar nicht wolltet? Man ist zwar selbst dafür zuständig was man preisgibt, aber seien wir mal ehrlich: man lässt sich sehr leicht dazu verleiten zu viel preiszugeben. Früher waren Partner nicht dem „Problem“ ausgesetzt, dass sie die Interaktion mit anderen Mitgliedern „kontrollieren“ konnten, bzw. darauf gestoßen werden. Werden die Anlässe für Eifersucht durch Facebook gefördert? Oder was ist, wenn euer Partner facebooksüchtig ist und lieber vorm Laptop sitzt als mit euch etwas zu unternehmen? Fragen über Fragen!

Link zum Artikel:
http://socialmedia.kkandk.de/2011/01/15/facebook-%E2%80%93-beziehungskiller-schlechthin/

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